Der FC Aarau steht in der zweiten Runde des Schweizer Cups. Am Ende zählt im Cup genau das. Weiterkommen, abhaken, nächstes Spiel. Doch wer den dramatischen Sonntagnachmittag in Biel nur unter dieser Perspektive betrachtet, macht es sich zu einfach.
Aarau führte gegen den Promotion Ligisten FC Biel mit 2:0. Ab der 82. Minute spielte der FCA zudem in Überzahl. Trotzdem kassierte die Mannschaft in der Nachspielzeit zwei Gegentore und musste in die Verlängerung. Dort ging Aarau erneut in Führung. Und wieder gelang Biel praktisch mit der letzten Aktion der Ausgleich. Erst im Penaltyschiessen setzte sich der Favorit durch.
Das Problem liegt nicht beim Weiterkommen
Natürlich darf man einen solchen Sieg feiern. Gerade der Cup lebt von solchen verrückten Spielen. Und Aarau bewies im Penaltyschiessen Nervenstärke.
Trotzdem muss der Auftritt Fragen aufwerfen.
Ein Team mit Ambitionen auf die Super League muss eine 2:0 Führung gegen einen unterklassigen Gegner über die Zeit bringen können. Erst recht, wenn der Gegner zusätzlich mit einem Spieler weniger auf dem Platz steht.
Dabei geht es weniger darum, einzelne Spieler für Fehler verantwortlich zu machen. Entscheidend ist das Verhalten der gesamten Mannschaft. Wann muss das Tempo aus dem Spiel genommen werden? Wann darf man kein unnötiges Risiko mehr eingehen? Wann muss ein Ball einfach einmal weit weg vom eigenen Tor?
Genau diese Entscheidungen unterscheiden eine talentierte Mannschaft von einer reifen Mannschaft.
Aarau braucht mehr als schöne Momente
Der Saisonstart zeigt bisher ein gemischtes Bild. Nach drei Meisterschaftsspielen steht Aarau bei vier Punkten. Gegen Stade Nyonnais gelang zwar der erste Saisonsieg, doch der FCA befindet sich derzeit noch nicht dort, wo ein Aufstiegsfavorit gerne stehen würde.
Das muss Mitte August noch niemanden nervös machen. Die Saison ist jung. Trainer Brunello Iacopetta verfügt über genügend Zeit, um Automatismen zu entwickeln und die Mannschaft weiterzuentwickeln.
Gerade deshalb ist der Bieler Cupabend wertvoll. Er zeigt früh in der Saison ziemlich deutlich, woran gearbeitet werden muss.
Aarau verfügt über Qualität. Izer Aliu zeigte dies mit seinem sehenswerten Führungstreffer. Roko Baturina traf zum 2:0, Linus Obexer brachte Aarau in der Verlängerung erneut nach vorne und im Penaltyschiessen behielten die Aarauer Schützen die Nerven.
Doch Qualität alleine bringt keinen Aufstieg.
Der FCZ wird solche Fehler bestrafen
Besonders interessant macht den Bieler Warnschuss das nächste Cupspiel. In der zweiten Runde kommt der FC Zürich ins Brügglifeld. Das Spiel ist für das Wochenende vom 16. bis 18. Oktober angesetzt.
Dann wartet ein Gegner aus der Super League.
Ein solches Spiel kann im Brügglifeld eine besondere Dynamik entwickeln. Genau solche Abende gehören zu den Momenten, für die der Schweizer Cup gemacht ist. Doch gegen einen höherklassigen Gegner wird sich Aarau kaum erlauben können, eine komfortable Führung zweimal aus der Hand zu geben.
Bis dahin bleibt genügend Zeit.
Der FC Aarau hat in Biel Charakter gezeigt. Jetzt muss er lernen, Kontrolle zu zeigen.
Denn wer am Ende einer Saison ganz oben stehen will, muss nicht jedes Spiel dominieren. Er muss vor allem wissen, wie man ein gewonnen geglaubtes Spiel tatsächlich gewinnt.