Der Zürcher Verein Swiss Cannabis Research hat Matthias Humm zum neuen Präsidenten gewählt. Während zwölf Jahren war Humm beim Drogeninformationszentrum (DIZ) tätig und koordinierte unter anderem das mobile und ambulante Drug-Checking, verantwortete Schulungen zu Suchtfragen und setzte das städtische Cannabis-Projekt «Züri Can» um.
Der bisherige Präsident Paul-Lukas Good konzentriert sich künftig vollständig auf seine Tätigkeit als Studienleiter. Er soll die wissenschaftliche Erforschung der Auswirkungen einer regulierten Cannabis-Abgabe weiter vorantreiben.
7'500 Studienteilnehmende
Gemeinsam mit der Universität Zürich und dem KOF Institut der ETH Zürich begleitet der Verein die grösste Schweizer Studie zur Erforschung und Regulierung des nicht-medizinischen Konsums von THC-haltigem Cannabis.
Heute betreut der Verein im Kanton Zürich rund 7'500 Studienteilnehmende. Rund zwei Drittel davon erhalten im Rahmen des wissenschaftlichen Modellversuchs legal Zugang zu Cannabis, während ein Drittel als Kontrollgruppe weiterhin auf den Schwarzmarkt angewiesen ist. Gleichzeitig wurde im Kanton St. Gallen eine zweite Studie lanciert, an der bis zu 5'000 Personen teilnehmen können.
Prävention rückt stärker in den Mittelpunkt
Mit dem Führungswechsel will Swiss Cannabis Research seine Präventionsarbeit deutlich ausbauen. Der neue Präsident sieht darin einen zentralen Bestandteil einer verantwortungsvollen Cannabis-Regulierung.
Neben Informationen zu Cannabis und Safer-Use-Strategien sollen neue Präventionsprogramme Konsumierende frühzeitig auf problematische Konsummuster aufmerksam machen oder mögliche psychische Risikofaktoren erkennen. Zudem plane der Verein eine engere Zusammenarbeit mit Fachstellen und Schulen, um Workshops und Informationsveranstaltungen durchzuführen.
Schwarzmarkt bleibt gesundheitliches Risiko
Ein weiterer Schwerpunkt des Vereins bleibe die Aufklärung über die Risiken des illegalen Cannabis-Marktes. Nach Einschätzung von Matthias Humm unterschätzen viele Konsumierende die Gefahren von Produkten aus dem Schwarzmarkt.
Neben synthetischen und halbsynthetischen Cannabinoiden könnten Cannabisprodukte mit Streckmitteln wie Brix, Sand oder Zucker belastet sein. Auch Schimmel sowie Rückstände von Pflanzenschutz- und Düngemitteln stellten ein gesundheitliches Risiko dar. Besonders synthetische Cannabinoide könnten schwerwiegende bis lebensbedrohliche Folgen verursachen.
Nach Ansicht des Vereins kann der Schwarzmarkt nur zurückgedrängt werden, wenn Konsumierende einen einfachen Zugang zu einem attraktiven und regulierten legalen Angebot erhalten.
Zürcher Studie nahezu vollständig – St. Gallen startet
Der Modellversuch im Kanton Zürich läuft seit Mai 2024 und zählt mittlerweile rund 5'000 Personen mit legalem Zugang zu Cannabis. Weitere knapp 2'500 Teilnehmende bilden die Kontrollgruppe. Damit handelt es sich um die grösste cannabisbezogene Studie der Schweiz. Die wissenschaftliche Evaluation erfolgt unabhängig durch Forschende der Universität Zürich sowie des KOF Instituts der ETH Zürich.
Parallel dazu startet nun die Studie im Kanton St. Gallen. Insgesamt sollen dort 5'000 Personen während fünf Jahren begleitet werden. Rund zwei Drittel erhalten Zugang zu legalem Cannabis über spezialisierte Verkaufsstellen, Apotheken oder erstmals auch per Postversand. Ein Drittel bleibt ohne legalen Zugang und dient als Vergleichsgruppe.
Der Verkaufsstart ist für Herbst 2026 vorgesehen. Erste wissenschaftliche Ergebnisse werden innerhalb von ein bis zwei Jahren erwartet, die Gesamtauswertung nach Abschluss der fünfjährigen Studie.
Teilnahme unter klar geregelten Bedingungen
Für die Teilnahme am St. Galler Modellversuch können sich volljährige Personen anmelden, die in einer der beteiligten Gemeinden wohnen. Voraussetzung ist, dass sie bereits Cannabis konsumieren und die gesetzlich festgelegten Zulassungskriterien erfüllen. Dazu gehören unter anderem der Ausschluss einer Schwangerschaft oder Stillzeit sowie das Fehlen cannabisbezogener medizinischer Kontraindikationen. Die Aufnahmegespräche finden in St. Gallen, Winterthur und Zürich statt.
Forschung für die Cannabis-Regulierung
Swiss Cannabis Research verfolgt das Ziel, wissenschaftliche Grundlagen für eine verantwortungsvolle Regulierung von THC-haltigem Cannabis zu schaffen. Gemeinsam mit der Universität Zürich, dem KOF Institut der ETH Zürich und dem Arud Zentrum für Suchtmedizin begleitet der Verein in den kommenden Jahren insgesamt bis zu 12'500 Studienteilnehmende in den Kantonen Zürich und St. Gallen. Weitere Forschungsprojekte in anderen Kantonen befinden sich bereits in Planung. www.swisscannabis-research.ch