Es war ein schwülwarmer Abend auf der Offenen Rennbahn – mit guten Bedingungen für die Schweizer Meisterschaftsprüfungen über 1000 Meter, im Scratch und im Punktefahren. Doch nach der Siegerehrung der Frauen hiess es plötzlich: Rette sich, wer kann. Petrus öffnete im wahrsten Sinn des Wortes die Schleusen und liess ein apokalyptisches Unwetter über dem Zementoval niedergehen.
Zwei Titel für Vogel
Der 26-jährige Thurgauer Alex Vogel, der zuvor Gold im Scratch und über die Kilometerdistanz jeweils Gold gewonnen hatte, wurde unverhofft in die Rolle eines Wassersportlers gespült. Nur mit grosser Mühe kämpfte er sich durch die überflutete Unterführung.
Siegerehrung in der Garderobe
Immerhin: Meistertrikot und Medaille erhielt er unter dem sicheren Dach des Kabinenhofs – in der Garderobe 14. Dasselbe galt für Noah Bögli, der den Titel im Punktefahren gewann. Die Nationalhymne wurde per Handy eingespielt. Anstelle des Morgenrots bildeten allerdings Sturzfluten die Kulisse.
Bronze an Bissegger
Die Bronzemedaille im Punktefahren sicherte sich der prominenteste Gast an diesem stürmischen Abend: Stefan Bissegger. Nach seiner Nichtselektion für die Tour de France nahm der Ostschweizer in Oerlikon Anlauf auf die zweite Saisonhälfte. Für ihn galt am Ende das gleiche wie für das Gros des Publikums: Wer sich nicht rechtzeitig ins Trockene retten konnte, fühlte sich wie ein begossener Pudel.