Schon vor Beginn der Gemeindeversammlung war klar, dass die Fusionsfrage die Bevölkerung bewegt. Vor der Turnhalle bildete sich eine Menschenschlange, weshalb sich der Start der Versammlung verzögerte. «Wir haben vor der Tür noch eine Menschenschlange und es geht sicher noch 10 Minuten, bis wir mit der Versammlung anfangen können», erklärte Gemeindeammann Alfred Stiner. Sogar zusätzliche Langbänke mussten aus dem Geräteraum herbeigeschafft werden.
Die hohe Beteiligung sorgte für Staunen. Von insgesamt 2577 Stimmberechtigten nahmen 813 Personen an der Versammlung teil. Dies entspricht 31,55 Prozent aller Stimmberechtigten. Als Stiner die Zahl bekannt gab, brandete Applaus auf. Die Beteiligung dürfte einen neuen Rekord bei einer Gemeindeversammlung in Unterentfelden darstellen.
Aarau hält sich im Hintergrund
Bewusst verzichtete die Stadt Aarau darauf, Mitglieder des Stadtrats an die Versammlung zu entsenden. «Mit dieser Vereinbarung wird die politische Selbstständigkeit von Unterentfelden unterstrichen», erklärte Stiner. Einzelne Mitglieder des Aarauer Einwohnerrats verfolgten die Debatte jedoch von den Zuschauerplätzen aus.
Antrag auf geheime Abstimmung scheitert deutlich
Noch vor der eigentlichen Fusionsabstimmung beantragte Martin Lötscher eine geheime Abstimmung. Für die Annahme des Antrags wären 163 Stimmen nötig gewesen. Lediglich 29 Personen unterstützten das Anliegen. Damit war klar, dass offen abgestimmt werden würde.
Emotionale Wortmeldungen prägen die Debatte
Während der Diskussion wurden zahlreiche Argumente ausgetauscht. Gianluca Sorrentino von der SP kritisierte die heutige Situation in der Kreisschule. Man müsse «der Schikane bei der Kreisschule nun endlich ein Ende setzen». Der Vorstand entscheide häufig mit vier zu drei Stimmen gegen Anliegen aus Unterentfelden.
Eine Einwohnerin verwies auf die Entwicklung der Stadt Zürich, die bereits 1934 zahlreiche Gemeinden eingemeindet habe. Diese seien bis heute lebendige Quartiere mit eigenem Vereinsleben geblieben.
Ein Vertreter der Musikgesellschaft Unterentfelden sprach sich ebenfalls für die Fusion aus. Er kritisierte die Nein-Kampagne und sagte: «Ich will mir meine Meinung aufgrund von Fakten bilden und nicht aufgrund von Bauchgefühl und Emotionen.» Aus Vereinssicht spreche nichts gegen den Zusammenschluss.
Auch kritische Stimmen meldeten sich zu Wort. Ein Einwohner erklärte, er verbringe regelmässig Zeit in Zürich, wolle deshalb aber nicht mit der Stadt fusionieren. Zwar sei eine Fusion mit Aarau kein Untergang, dennoch gehe ein Stück Selbstständigkeit verloren. «Wir verlieren einfach Autonomität, das ist echli schad», sagte er.
Wegweisender Entscheid fällt
Am Ende sprach sich die Gemeindeversammlung mit 428 Ja- zu 359 Nein-Stimmen für die Fusion mit Aarau aus.
Das erforderliche Quorum lag bei 516 Stimmen. Hätte die obsiegende Seite diese Marke erreicht, wäre der Entscheid endgültig gewesen. Für die Gegner hätte dies bedeutet, dass die Fusion definitiv gescheitert wäre. Da das Quorum nicht erreicht wurde und für eine Fusion ohnehin das obligatorische Referendum gilt, wird die Bevölkerung am 27. September an der Urne das letzte Wort haben.
Zuvor beschäftigt sich am 22. Juni noch der Aarauer Einwohnerrat mit dem Fusionsprojekt. Damit ist die Entscheidung über die gemeinsame Zukunft von Aarau und Unterentfelden noch nicht endgültig gefallen. Unterentfelden hat ein erstes Signal gesetzt.