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Von der Idee zum Kulturleuchtturm

Was 2006 als Vision begann, hat sich längst zu einer festen Grösse im Schweizer Festivalsommer entwickelt: Das Stars in Town feiert sein 15-Jahr-Jubiläum. Festivaldirektor Adi Brugger spricht über mutige Entscheidungen, schwierige Anfangsjahre, internationale Stars und darüber, weshalb das Festival bis heute seinen familiären Charakter mit viel Charm bewahrt hat.

Von der Idee zum Kulturleuchtturm
Ein voller Herrenacker mit unzähligen Besucherinnen und Besuchern, gespannt auf den nächsten Live-Act. Bild: Ginevra Lo Piccolo
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Einmal im Jahr verwandelt sich die Schaffhauser Altstadt in eine grosse Festivalbühne. Zwischen historischen Fassaden, vollen Gassen und sommerlicher Stimmung treffen sich Musikfans aus der ganzen Schweiz. Dieses Jahr feiert das Stars in Town bereits sein 15-Jahr-Jubiläum und blickt dabei auf eine Geschichte zurück, die fast so spektakulär ist wie manche Auftritte auf dem Herrenacker selbst. Einer, der die Entwicklung des Festivals von Anfang an miterlebt hat, ist Festivaldirektor Adi Brugger. Im Gespräch mit dem «Bock» erzählt er von riskanten Anfangsjahren, schlaflosen Nächten, grossen Künstlern und davon, weshalb das Festival bis heute seinen familiären Charakter behalten hat.

«Ein jubiläumswürdiges Line-up»

Für das Jubiläumsjahr sei dem Festival ein besonderer Coup gelungen, meint Brugger. Mit internationalen Namen wie Sting, Lewis Capaldi oder Lenny Kravitz stehe eines der stärksten Programme der Festivalgeschichte auf dem Herrenacker. «So etwas kann man nicht planen», sagt Brugger. «In unserer Branche gehört auch immer viel Glück dazu. Man weiss nie genau, welche Künstler gerade auf Tour sind und überhaupt in die Schweiz kommen.» Trotz der grossen Namen sei das «Stars in Town» bewusst überschaubar geblieben. Gerade das mache den besonderen Charakter des Festivals aus. «Wir sind eines der sympathischen Festivals der Schweiz», meint Adi Brugger. «Ich sage immer: Es ist wie ein Club ohne Dach.» Rund 6500 Besucherinnen und Besucher passen auf den Herrenacker. «Natürlich gibt es auch Kritik, dass jeder jeden kennt oder dass es laut wird. Aber genau das macht es doch aus. Es ist ein riesiges Get-together.» Besonders beeindruckt ihn jedes Jahr der Einsatz der freiwilligen Helferinnen und Helfer. Diese repräsentieren Stars in Town und verbreiten den besonderen Charme. Während des Jahres besteht das Organisationsteam aus fünf Festangestellten. In der intensivsten Phase rund um Aufbau und Festival kommen 50 Ressortleiter sowie rund 700 Freiwillige dazu. «Ohne sie wäre das alles gar nicht möglich», führt er weiter aus.

Von einer Vision zum Festival

Die Geschichte des Festivals begann lange vor der ersten Konzertnacht. Ursprünglich trug das Projekt den schlichten Namen «das festival». Die Idee entstand aus einem Visionenpapier des Schaffhauser Regierungsrats. «Darin wurde festgehalten, dass man neben dem Bachfest und dem Jazzfestival einen weiteren kulturellen Leuchtturm für Schaffhausen schaffen möchte», erinnert sich Adi Brugger. Gemeinsam mit Thomas Nyffenegger und Simon Vogel begann er, die Idee weiterzuentwickeln. Vom ersten Gedanken bis zur ersten Ausgabe dauerte es allerdings mehrere Jahre. «2006 entstand die Idee, 2010 fand dann die erste Durchführung statt», erzählt Brugger. «Vor allem die Finanzierung war am Anfang schwierig.» Die Premiere lockte bereits rund 10 000 Besucherinnen und Besucher an. Ein Erfolg, der aber fast ins Wasser gefallen wäre. Der damalige Headliner Simple Minds blieb wegen eines Fahrzeugschadens im Südportal des Gotthardtunnels stecken. «Um 21.15 Uhr erhielten wir den Anruf, dass die Band nicht weiterkommt», erzählt Brugger. «Dann mussten wir irgendwie eine Lösung finden und es wurden verschiedenste Szenarien geprüft.» Das Band-Fahrzeug konnte wieder flott gemacht werden und dank Unterstützung der Polizei und dem damaligen Stadtpräsidenten Thomas Feurer konnte Simple Minds trotzdem auftreten. Das Konzert begann um Mitternacht und dauerte bis zwei Uhr morgens bei bis zu 100 Dezibel. «Heute ist es eine unglaubliche Geschichte», sagt Brugger. «Aber damals hätte das auch komplett schiefgehen können.» Doch auch danach blieb der Weg noch etwas steinig. Bereits im zweiten Jahr schrieb das Festival ein grösseres Defizit, erneut sagte ein Künstler kurzfristig ab. Plötzlich stand die Existenz des jungen Festivals auf der Kippe. «Wir mussten uns fragen: Hören wir auf oder versuchen wir es nochmals?», sagt Brugger. «Zum Glück haben wir weitergemacht.»

Ab 2012 professionalisierte sich die Organisation zunehmend. Anfangs habe vieles noch Vereinscharakter gehabt. Gleichzeitig sei die Konkurrenz in der Festivalbranche stetig grösser geworden. «Schon damals war es schwierig, internationale Stars nach Schaffhausen zu holen. Heute ist es teilweise noch schwieriger, aber heute haben wir eine starke Marke und sind bekannt in der Musikbranche», sagt Brugger. «Viele Weltstars kommen gar nicht mehr in die Schweiz, weil der Markt zu klein ist. Dazu steigen die Gagen und die Kosten für die Infrastruktur ständig.» Ein Festival zu organisieren sei deshalb immer auch ein grosses Risiko. Wetter, kurzfristige Absagen oder Sicherheitsfragen würden die Verantwortlichen permanent begleiten. «In dieser Branche muss man manchmal auch ein Gambler sein, man setzt auf schwarz oder rot», sagt Brugger. «Und gleichzeitig trägt man eine enorme Verantwortung für jeden Besucher.». Ein wichtiger Schritt sei daher auch der Zusammenschluss mit dem Konzertveranstalter Gadget im April 2024 gewesen. Für Brugger war dieser Entscheid notwendig. «Das Festival war über viele Jahre betreffend Risiko und Verantwortung eine One-Man-Show. Irgendwann wurde der Druck einfach zu gross», sagt er. «Mit Gadget arbeite ich seit vielen Jahren zusammen. Der Erfolg des Festivals basiert auf seiner starken regionalen Verankerung. Schaffhauserinnen und Schaffhauser gestalten ein Festival für Schaffhausen. Diese einzigartige Festival-DNA gilt es auch in Zukunft zu bewahren.» Trotz vieler Höhen und Tiefen überwiegen für ihn die positiven Erinnerungen der vergangenen 14 Ausgaben. Besonders geblieben ist ihm der Auftritt von Bryan Adams im Jahr 2017. «Das war ein Künstler, den ich schon als Kind gehört habe und unser Festival auf eine neue Stufe gehoben hat», erzählt Brugger. «Und die Energie auf dem Herrenacker an diesem Abend war unglaublich.» Mit dem aktuellen Jubiläumsprogramm erfülle er sich nun weitere persönliche Wünsche. «Sting oder Lenny Kravitz, sind auf meiner persönlichen Wunschliste ganz weit oben», sagt er. Besonders schätzt Brugger aber auch Schweizer Künstlerinnen und Künstler, die regelmässig nach Schaffhausen zurückkehren. Namen wie Hecht, Bligg, oder Pegasus seien längst Teil der Festivalgeschichte geworden. «Sie bringen immer eine besondere Energie mit und übertragen diese auf das Publikum.» Genau diese Momente seien seine Motivation, weiterzumachen. «Wenn ich spätabends noch über den Fronwagplatz laufe und die Leute lachen, diskutieren und glücklich sind, dann weiss ich, warum wir das alles machen», sagt Brugger. «Diese strahlenden Augen sind für mich der grösste Dank.»

Zwischen Rockstar und Normalität

Auch Backstage erlebe man immer wieder besondere Momente. Manche Künstler sitzen nach ihrem Auftritt noch entspannt an der Bar und sprechen über Musik oder Gitarren. Andere wiederum verschwinden sofort wieder hinter verschlossenen Türen. «Manchmal wissen gewisse Künstler nicht einmal genau, wo sie gerade auftreten», sagt Brugger schmunzelnd. «Und andere bedanken sich dafür, dass sie auf dem Herrenacker spielen durften.»

Heute sieht Brugger das Stars in Town längst nicht mehr nur als Musikfestival. Für ihn ist es ein kultureller Treffpunkt mit grosser Bedeutung für die ganze Region. «Das Festival bringt Wertschöpfung, Bekanntheit und auch einen gewissen Stolz für Schaffhausen», sagt er. Und trotz steigender Ticketpreise sei es ihm wichtig, dass das Festival offen für alle bleibt. Genau deshalb spielt auch der Fronwagplatz mit kostenlosen Konzerten und der Talentstage eine zentrale Rolle, sagt Brugger: «Jeder soll Teil des Festivals sein können und die Nachwuchsförderung liegt uns am Herzen.»

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