Scheinwerferlicht, Kameras, Statisten, Requisiten und mittendrin der Schaffhauser Filmemacher Brooklyn-Owen Etzweiler. Am vergangenen Sonntag realisierte der 20-Jährige gemeinsam mit der Schweizer Sängerin und Schauspielerin Fiona Rosamilia sein bisher grösstes Projekt: ein Musikvideo zu ihrem Song «Eventually». Das Lied entstand in Zusammenarbeit mit dem Musiker Sergio Fertitta für dessen Film «Da Re Mi Fa So Lauft‘s», der derzeit auch in Schweizer Kinos läuft.
Strickter Zeitplan
Für Etzweiler war schnell klar, dass er dem Song eine eigene visuelle Geschichte geben wollte. «Ich folge Fiona Rosamilia tatsächlich schon etwas länger auf Social Media, daher wurde ich auf ihre Musik aufmerksam», erzählt er. «Ich wollte schon immer ein Musikvideo drehen. Als ich auf das Lied ‹Eventually› gestossen bin, wusste ich sofort, dass ich dies umsetzen will.» Noch in diesem Mai präsentierte Brooklyn-Owen Etzweiler der Sängerin innerhalb weniger Tage ein erstes Konzept. Fiona Rosamilia sei sofort überzeugt gewesen, erzählt er. Doch schnell wurde klar: Die grösste Herausforderung würde nicht die Idee selbst, sondern die Zeit werden. «Wir mussten den Dreh bereits Ende Mai umsetzen, damit das Musikvideo Ende Juni veröffentlicht werden kann», sagt der 20-Jährige. Viel Spielraum blieb also nicht. Innerhalb von nur drei Wochen organisierte der junge Filmemacher den gesamten Dreh. Gedreht wurde schliesslich in der Kammgarn in Schaffhausen. «Wir hatten sehr viel Glück, dass sich alles so gut ergeben hat», so der 20-Jährige. Neben Schauspielern und Statisten war auch ein professionelles Kamerateam vor Ort. Insgesamt arbeiteten rund 20 Personen am Projekt mit. Für Etzweiler bedeutete das vor allem lange Tage und noch längere Abende. «Da ich nebenbei noch arbeite, hat sich alles immer auf die Abende verschoben», erzählt der Oberhallauer. «Nach der Arbeit sass ich oft nochmals mehrere Stunden zu Hause und arbeitete weiter am Konzept und an der Organisation.» Neben dem engen Zeitplan wurde auch das Budget zur Herausforderung. Viel Geld stand dem Team nicht zur Verfügung. Umso wichtiger seien die richtigen Kontakte gewesen. «Wie das in dieser Branche oft läuft, bin ich durch Kontakte auf ein Kamerateam gestossen, das mich unterstützt hat», sagt er. Gerade diese Zusammenarbeit sei entscheidend gewesen. «Als Regisseur ist es meine Aufgabe, die Vision emotional rüberzubringen. Der Kameramann setzt das dann visuell um. Wenn man sich irgendwo in der Mitte trifft, entsteht im Idealfall etwas richtig Starkes.»
Wie viel Arbeit tatsächlich hinter einem solchen Projekt steckt, spürt Etzweiler derzeit deutlich. «In der letzten Woche habe ich rund 70 Stunden gearbeitet», sagt er. «Das war definitiv etwas zu viel.» Die Balance zwischen Leidenschaft und Erholung zu finden, falle ihm nicht immer ganz leicht. «Einerseits ist es meine Leidenschaft, andererseits muss ich schauen, dass ich meinen Körper nicht zu sehr belaste.» Dass er sich trotz des Drucks immer wieder auf neue Projekte einlässt, hat für ihn einen einfachen Grund. «Woher soll ich wissen, ob ich etwas kann, wenn ich es nie ausprobiert habe?», sagt er.
Zwischen surrealen Bildern und klarer Botschaft
Für den Oberhallauer war das Musikvideo bisher der grösste Dreh. Zwar realisierte er bereits in der Vergangenheit verschiedene Kurzfilmprojekte, für die er auch national und international nominiert und mehrfach ausgezeichnet wurde. Trotzdem sei jedes neue Projekt wieder ein Sprung ins kalte Wasser. «Ich möchte alles filmen und ausprobieren, ob Drama, Thriller oder Musikvideos», sagt er. Gerade Musikvideos würden dabei ganz anders funktionieren als klassische Kurzfilme. «Im Gegensatz zu normalen Filmen haben Musikvideos oft keinen klar chronologischen Ablauf», erklärt er. «Die Szenen sollen vielmehr eine Stimmung transportieren oder die Geschichte mit surrealen oder emotionalen Bildern unterstützen.» Viele Ideen würden deshalb erst direkt am Set entstehen. «Oft hat man das fertige Werk vor dem Dreh noch gar nicht komplett im Kopf.»
Und genau mit solchen Bildern wollte Etzweiler auch im aktuellen Musikvideo arbeiten. Im Zentrum des Videos steht eine Frau, die merkt, dass die emotionale Ebene in ihrer Beziehung nicht mehr stimmt. Die Handlung spielt in einer Bar, wo die Protagonistin zunehmend realisiert, dass sie sich in ihrer Umgebung unwohl fühlt. Ihr neu gefundenes Glück findet sie schliesslich in einer Gruppe von Frauen. Dem Filmemacher war dabei vor allem eine bestimmte Perspektive wichtig. Das Musikvideo soll zeigen, wie übergriffiges oder dominantes Verhalten von Männern im Ausgang auf Frauen wirken kann. «Ich wollte zeigen, dass solches Verhalten oft viel weniger charmant wirkt, als die betreffenden Männer vielleicht selbst glauben», sagt Brooklyn-Owen Etzweiler.
Den Mut haben, den Schritt zu wagen
Zum Film kam Brooklyn-Owen Etzweiler ursprünglich über seine Ausbildung zum Mediamatiker. Dort habe ihn vor allem die Arbeit mit der Kamera gepackt. Sein Wissen habe er sich aber grösstenteils selbst angeeignet. Diese Eigeninitiative brachte ihm schon früh erste Erfolge ein. Bereits mit seinem ersten Kurzfilm «In Clinch» durfte er mit gerade einmal 18 Jahren nach London an ein Filmfestival reisen, wo sein Film gezeigt wurde. «Es ist extrem schön zu sehen, dass meine Arbeit nicht nur national, sondern auch international wahrgenommen wird», sagt er. Besonders surreal seien für ihn die Filmfestivals, zu denen er eingeladen werde. «Wenn ich auf einem roten Teppich stehe und plötzlich Schauspieler aus ‹Pirates of the Caribbean› an mir vorbeilaufen und ich irgendwie Teil von diesem Ganzen bin, fühlt sich das komplett surreal an.» Neben dem aktuellen Musikvideo arbeitet Brooklyn-Owen Etzweiler derzeit an weiteren Projekten, die er in der Zukunft umsetzen möchte. Unter anderem sei eine Serie in Planung, bei der die Möglichkeit besteht, dass sie vom «SRF» kofinanziert werde. Er wolle irgendwann für das bekannt sein, was er erschafft, und nicht einfach für einen viralen Moment auf Social Media. «Ich möchte mich stetig weiterentwickeln und zeigen, was ich drauf habe, und dabei 100 Prozent geben.» Ob er ein bestimmtes Ziel habe, welches er in seinem Leben erreichen möchte? Dazu meint er: «Mein Ziel ist ein Oscar. Das wäre unglaublich, und daran arbeite ich so lange, bis ich alt bin. Wenn es gut läuft, habe ich 80 Jahre, und diese möchte ich voll und ganz in meine Leidenschaft, dem Filmemachen, investieren», sagt der 20-Jährige.