Die Stadt Aarau hat auf eine umfangreiche Anfrage von SVP-Einwohnerrat Christoph Müller zum PubliBike-System geantwortet. Dabei werden erstmals konkrete Zahlen zu Kosten, Nutzung und Finanzierung des Veloverleihsystems veröffentlicht. Demnach rechnet die Stadt während der gesamten Pilotphase von 2024 bis 2029 mit Kosten von insgesamt rund 487'000 Franken. Pro Jahr fallen laut Stadtrat knapp 107'000 Franken für Betrieb und Stationen an. Während der laufenden MONAMO-Förderung übernimmt der Bund 24 Prozent der anrechenbaren Kosten, wodurch sich die jährliche Belastung vorübergehend reduziert. Finanziert werden neun sogenannte «MONAMO-Stationen» direkt über den städtischen Kredit. Weitere Stationen werden durch Partner wie den Kanton Aargau, Eniwa oder Wohnbauträgerschaften mitgetragen.
Keine Defizitgarantie für PubliBike
Der Stadtrat betont, dass die PubliBike AG keine Defizitgarantie erhalten habe. Das unternehmerische Risiko liege grundsätzlich bei der Betreiberin selbst. Die Stadt habe mit PubliBike einen Leistungsvertrag abgeschlossen. Dieser umfasst unter anderem die Bereitstellung von Velos und E-Bikes, Wartung, Batteriewechsel, Kundendienst, Reparaturen sowie Kommunikationsmassnahmen. Zusätzliche Kosten für Werbung oder Gratisfahrten würden grösstenteils von PubliBike selbst getragen. Die Stadt beteilige sich lediglich punktuell mit Inseraten oder Beiträgen über eigene Kommunikationskanäle.
Über 23'000 Fahrten seit dem Start
Seit der Einführung im Juli 2024 wurden laut Stadtrat bis zum 22. April 2026 insgesamt 23'329 Fahrten registriert. Insgesamt nutzten 1750 Personen das Angebot mindestens einmal. Im Durchschnitt wurden täglich rund 35 Fahrten durchgeführt. In den Sommermonaten seien die Zahlen deutlich höher als im Winter. Die Hochsaison liege zwischen März und Oktober. Die Stadt spricht von einer «zunehmenden Verankerung des Angebots im Alltagsverkehr».
Vier Prozent der Fahrten waren gratis
Laut Stadtrat wurden bisher rund 1000 Fahrten vollständig kostenlos oder stark vergünstigt angeboten. Dies entspreche rund vier Prozent aller Fahrten. Die Gratisangebote entstanden unter anderem durch den Promocode «Aaraubike», Business-Testabos oder Aktionen für Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger. Der Stadtrat hält jedoch fest, dass viele vermeintlich kostenlose Fahrten Bestandteil von kostenpflichtigen Abos oder Arbeitgeberangeboten seien.
Durchschnittliche Subvention pro Fahrt liegt bei 4.30 Franken
Besonders brisant ist die Berechnung der öffentlichen Unterstützung pro Fahrt. Gemäss Stadtrat beliefen sich die bisherigen städtischen Subventionskosten bis April 2026 auf rund 99'800 Franken. Umgerechnet ergibt dies aktuell eine durchschnittliche Subvention von rund 4.30 Franken pro Fahrt. Die Stadt weist jedoch darauf hin, dass dieser Wert mit steigender Nutzung künftig sinken dürfte.
Zukunft des Systems noch offen
Ob PubliBike nach 2029 weitergeführt wird, ist derzeit noch nicht entschieden. Laut Stadtrat hängt dies von der Nutzung, der Evaluation sowie der finanziellen Tragbarkeit ab. Für eine Weiterführung müsste das System erneut öffentlich ausgeschrieben werden. Ziel sei es, künftig zusätzliche Finanzierungspartner einzubinden und die Belastung der öffentlichen Hand zu reduzieren.