Der Aarauer Stadtrat hat eine Anfrage von SVP-Einwohnerrat Urs Winzenried zum bargeldlosen Bezahlsystem der Busbetrieb AG Aarau (BBA) beantwortet. Dabei hält die Stadt fest, dass sie den Systemwechsel grundsätzlich unterstützt, gleichzeitig aber die geäusserten Sorgen aus der Bevölkerung ernst nehme.
Auslöser der Anfrage war die Einführung neuer Ticketautomaten in den Bussen der BBA, bei denen kein Bargeld mehr akzeptiert wird. Stattdessen erfolgt der Ticketkauf direkt mit Karte oder Smartphone.
Stadtrat weiterhin im Verwaltungsrat vertreten
Der Stadtrat weist den Vorwurf zurück, nicht mehr im Verwaltungsrat der BBA vertreten zu sein. Bislang habe der frühere Ressortleiter diese Aufgabe wahrgenommen. Ab der Generalversammlung im Juni 2026 übernimmt die neu gewählte Stadträtin und Ressortleiterin Bau, Mobilität und Umwelt das Mandat. Zudem bestätigt der Stadtrat, dass er in den Entscheid zur Einführung des bargeldlosen Systems eingebunden war. Die Beschaffung der neuen Automaten wurde bereits im Februar 2025 an einer Verwaltungsratssitzung genehmigt. Grundlage dafür war auch ein Entscheid des sogenannten A-Wellen-Rates, in dem Verkehrsunternehmen sowie die Kantone Aargau und Solothurn vertreten sind.
Sorge um ältere Menschen
Besonders ausführlich äussert sich der Stadtrat zu den Sorgen älterer Menschen. Man nehme die Kritik ernst, schreibt die Stadt. Bereits vor der Einführung seien Gespräche mit Organisationen wie Pro Senectute geführt worden. Zusammen mit der BBA und der A-Welle organisierte der Fachbereich Alter Veranstaltungen für Personen ab 65 Jahren. Dort konnten die neuen Automaten getestet und Fragen gestellt werden. Ziel sei gewesen, Unsicherheiten abzubauen. Zusätzlich arbeitet die Stadt derzeit an einem Merkblatt zum Ticketkauf mit und ohne Smartphone. Ab Herbst 2026 soll zudem ein neues Kursangebot zum digitalen Ticketing für ältere Personen entstehen.
Ticketkauf weiterhin mit Bargeld möglich
Der Stadtrat betont mehrfach, dass der öffentliche Verkehr weiterhin auch ohne Smartphone nutzbar bleibe. Mehrfahrtenkarten können weiterhin an den Schaltern der AVA und der SBB bar bezahlt werden. Zudem gibt es Prepaidkarten, die an mehreren Verkaufsstellen erhältlich sind. Damit sieht die Stadt keine grundsätzliche Ausgrenzung von Menschen ohne digitale Kenntnisse.
Datenschutz und Systemausfälle thematisiert
Auch die Themen Datenschutz und technische Ausfälle spricht der Stadtrat an. Wer Mehrfahrten- oder Prepaidkarten mit Bargeld kaufe, müsse keine persönlichen Daten angeben. Gleichzeitig seien die neuen Automaten laut BBA weniger störungsanfällig als das bisherige Bargeldsystem. Sollte es dennoch zu Problemen kommen, würden Fahrpersonal und Kundschaft informiert.
Stadtrat sieht gesellschaftliche Dimension
Der Stadtrat anerkennt, dass die Diskussion rund um Bargeld über rein technische Fragen hinausgeht. Das Thema berühre gesellschaftliche und politische Aspekte. Trotzdem betrachtet die Stadt den Entscheid der BBA auch als unternehmerischen Schritt, bei dem wirtschaftliche und technische Überlegungen eine Rolle spielten.
Mit Blick auf eine kürzlich eingereichte Motion im Grossen Rat, welche Verkehrsbetriebe zur Annahme von Bargeld verpflichten will, hält sich der Stadtrat noch zurück. Man wolle die weitere politische Entwicklung aufmerksam verfolgen.