Am 8. März 2026 entschieden die Aargauer Stimmberechtigten über zwei Volksinitiativen. Die Initiative «Blitzerabzocke stoppen!» wurde mit 55,5 Prozent angenommen. Die Vorlage «Arbeit muss sich lohnen!» scheiterte hingegen mit 55,2 Prozent Nein-Stimmen.
Eine Auswertung des Zentrums für Demokratie Aarau zeigt nun: Besonders die jungen Stimmberechtigten im Alter von 18 bis 29 Jahren stimmten bei beiden Vorlagen mehrheitlich zu. Damit setzte diese Altersgruppe ein deutliches politisches Signal.
Hohe Beteiligung mit Altersunterschieden
Die Stimmbeteiligung lag bei 54,5 Prozent und fiel damit vergleichsweise hoch aus. Wie üblich stieg die Teilnahme mit zunehmendem Alter, höherem Bildungsniveau und stärkerem politischem Interesse.
Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Insgesamt beteiligten sich Männer häufiger als Frauen. Dieser Unterschied ist jedoch stark altersabhängig. Während bei den 18- bis 29-Jährigen Frauen sogar leicht häufiger abstimmten als Männer, kehrte sich das Bild ab 40 Jahren deutlich zugunsten der Männer.
Junge unterstützen Sozialhilfe-Initiative stärker
Bei der Initiative «Arbeit muss sich lohnen!» zeigte sich ein klarer Generationenunterschied. Während die Vorlage insgesamt abgelehnt wurde, lag der Ja-Anteil bei den 18- bis 29-Jährigen bei 63 Prozent. Ältere Stimmende lehnten die Initiative hingegen deutlich häufiger ab.
Auch politisch verlief die Abstimmung entlang klassischer Linien. Im linken Lager stiess die Vorlage auf Ablehnung, während sie im rechten Spektrum breite Unterstützung fand. Besonders die Anhängerschaft der SVP sprach sich deutlich dafür aus, während SP und Grüne mehrheitlich dagegen stimmten.
Innerhalb der FDP zeigte sich ein gespaltenes Bild. Befürwortende argumentierten vor allem mit einer erwarteten raschen Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt sowie mit Kritik an der Zahl von Langzeitbeziehenden. Gegnerinnen und Gegner befürchteten hingegen gesellschaftliche Ausgrenzung.
Blitzer-Initiative findet breite Zustimmung bei Jungen
Noch deutlicher zeigte sich der Einfluss der jungen Generation bei der Initiative «Blitzerabzocke stoppen!». In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen lag der Ja-Anteil bei 71 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen bei 62 Prozent.
Die Zustimmung war zudem stark vom Einkommen abhängig. Haushalte mit tieferen Einkommen unterstützten die Initiative besonders häufig, während die Zustimmung mit steigendem Einkommen leicht abnahm.
Auch hier zeigte sich ein politischer Gegensatz: Während das linke Lager die Initiative mehrheitlich ablehnte, sprach sich das rechte klar dafür aus. Im Zentrum hielten sich Befürwortende und Gegner die Waage. Bemerkenswert ist, dass selbst innerhalb der SP- und Grünen-Basis rund ein Drittel der Initiative zustimmte.
Studienautor Laurent Bernhard ordnet ein: «Für eine Volksabstimmung mit einem klaren Links-Rechts-Gegensatz ist ein Ja-Anteil von einem Drittel in den linken Parteianhängerschaften aussergewöhnlich hoch.»
Autobesitz und Misstrauen als zentrale Faktoren
Ein weiterer entscheidender Faktor war der Autobesitz. Personen ohne Auto lehnten die Initiative deutlich ab, während Autobesitzende mehrheitlich zustimmten. In Haushalten mit mehreren Fahrzeugen war die Zustimmung besonders hoch.
Inhaltlich dominierte auf Befürworterseite die Überzeugung, dass Geschwindigkeitskontrollen primär zur Einnahmengenerierung eingesetzt werden. Gegnerinnen und Gegner betonten hingegen die Bedeutung von Bussen zur Durchsetzung von Regeln sowie die präventive Wirkung von Kontrollen.