114 Lehrpersonen an der Kreisschule Aarau-Buchs (KSAB) verfügen gemäss aktuellen Daten nicht über das erforderliche Lehrdiplom. Die Zahl basiert auf Personen mit einem Lohnabzug – ein Hinweis darauf, dass die formale Qualifikation fehlt. Allerdings ist diese Zahl nicht exakt: Nach fünf Jahren entfällt der Lohnabzug, selbst wenn kein Diplom nachgeholt wurde. Die tatsächliche Anzahl könnte daher höher liegen.
Keine vollständige Übersicht vorhanden
Die KSAB führt keine eigene zentrale Datenbank zu den Qualifikationen ihrer Lehrpersonen. Stattdessen stützt sie sich auf das kantonale System sowie auf die Einschätzungen der einzelnen Schulleitungen. Das bedeutet: Eine tagesaktuelle und präzise Übersicht über alle Qualifikationen existiert nicht. Für einen Betrieb dieser Grösse wirft das Fragen auf – insbesondere hinsichtlich Transparenz und Steuerung.
Lehrermangel als Hauptgrund
Der hohe Anteil an nicht diplomierten Lehrpersonen ist laut Schulvorstand eine direkte Folge des akuten Lehrermangels. Der Markt sei nicht nur bei ausgebildeten Lehrpersonen «ausgetrocknet», sondern zunehmend auch bei geeigneten Quereinsteigenden.
Schulen stehen dadurch vor einem Dilemma: Entweder frühzeitig Personen anstellen auch ohne vollständige Ausbildung oder riskieren, Klassen nicht besetzen zu können.
Qualität wird individuell beurteilt
Die Eignung von Lehrpersonen ohne Diplom wird im Bewerbungsprozess durch Gespräche, Referenzen und vorhandene Abschlüsse (z. B. Sek-II-Niveau) beurteilt. Eine Verpflichtung, die pädagogische Ausbildung nachzuholen, gibt es im Kanton Aargau nicht. Zwar erfolgt ein Lohnabzug, doch dieser entfällt nach fünf Jahren automatisch.
System mit Lücken
Die Kombination aus fehlender zentraler Datenerfassung, ungenauen Zahlen und fehlender Ausbildungspflicht zeigt strukturelle Schwächen im System. Gleichzeitig betont die KSAB, dass die Schulleitungen ihre Mitarbeitenden gut kennen und gezielt fördern. Kritiker dürften dennoch hinterfragen, ob dies bei über 100 nicht diplomierten Lehrpersonen ausreicht.
Prozesse sollen verbessert werden
Die KSAB hat angekündigt, ihre Abläufe zu überarbeiten. Einheitliche Prozesse für die Personalgewinnung sind in Planung und sollen künftig mehr Klarheit schaffen. Der konkrete Fall, der zur Anfrage führte, wurde intern aufgearbeitet. Neue Vorgaben sollen verhindern, dass es erneut zu Fehlern im Anstellungsprozess kommt.