Das Projekt «Albtraumwelten» des Instituts inArtes schafft in Winterthur einen besonderen Raum für junge Menschen: Hier werden Albträume zu Träumen für die Zukunft. Im Zentrum steht die Idee, dass Kreativität helfen kann, mit den Herausforderungen der heutigen Zeit umzugehen.
Kreativität als Gegenkraft
Viele Jugendliche stehen unter starkem Druck. Leistungsanforderungen in Schule und Ausbildung, die Nachwirkungen der Corona- und Lockdownjahre sowie eine von Krieg, Katastrophen und Gewalt geprägte Weltlage belasten sie. Entsprechend alarmierend sind die Zahlen zu Depressionen, Suizidgedanken oder Schulabsentismus.
Hier setzt «Albtraumwelten» an. In Werkateliers lernen Jugendliche, Kreativität als Strategie zu nutzen, um Gefühle auszudrücken und mit Stress, Druck und Erwartungen umzugehen. Gleichzeitig will das Projekt auch die Gesellschaft sensibilisieren und das Bewusstsein für die psychische Gesundheit junger Menschen stärken.
Vierte Ausgabe mit «Süss-Air»
2026 findet bereits die vierte Edition des Projekts statt. In Zusammenarbeit mit dem Schulhaus Gutschick in Winterthur erforschen die Schülerinnen und Schüler ihren kreativen Ausdruck in verschiedenen Werkateliers.
Im szenischen Spiel arbeiten sie mit Deborah Leeser vom Schulhaus Gutschick. Im künstlerischen Gestalten begleiten Bernadette Braun und Andrea Grieder vom Institut inArtes die Jugendlichen. Inspiration liefert dabei auch das Kunstobjekt «Süss-Air» des Pariser Künstlers Regis-R., der ausschliesslich mit Abfall arbeitet. Die Jugendlichen setzen sich mit Fragen auseinander wie: Was stützt dich? Wie schützt du dich? Wann blühst du auf? Was ist dein Wert? Was bewegt dich?
Kunst aus Abfall
Das Material für die Werke stammt bewusst aus dem Alltag: Trottis vom Schulhausareal, Karton, Schachteln, Schirme, Aludosen, PET-Flaschen oder sogar ein ausrangiertes Elektroauto und ein Fahrrad aus der Mülltonne.
Abfall ist dabei mehr als nur Werkstoff. Er steht auch symbolisch für das, was im Leben zu viel geworden ist: Bilder und Informationen von aussen, Anforderungen und Erwartungen, aber auch innerer Stress und Druck.
Ein Projekt mit Erfahrung
«Albtraumwelten» blickt auf drei Jahre Erfahrung zurück. Das erste Pilotprojekt entstand mit einem Jugendlichen und dem Künstler Adero R., der nach einem dreitägigen Werkatelier drei Schaufenster gestaltete. 2024 folgte eine Zusammenarbeit mit der Primarschule des Altstadt-Schulhauses in Winterthur. 2025 arbeitete das Projektteam mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum des Kantonsspitals Winterthur zusammen.
Verantwortung für die Zukunft
Hinter dem Projekt steht das Institut inArtes, das in einem dreieinhalbjährigen berufsbegleitenden Studiengang Kunsttherapeutinnen und Kunsttherapeuten ausbildet. Mit «Albtraumwelten» übernimmt das Institut bewusst Verantwortung für das psychische Wohlbefinden in der Gesellschaft.
Andrea Grieder, Leiterin von inArtes, sieht darin eine zentrale Aufgabe: Kunst könne eine transformative Kraft für Individuen und Gesellschaft sein. Gerade das Wohlbefinden von Jugendlichen sei von grosser gesellschaftlicher Bedeutung.
Auch Bernadette Braun betont den präventiven Gedanken. Junge Menschen sollen Werkzeuge erhalten, um Gefühle auszudrücken, Stabilität zu entwickeln und ihre eigene Zukunft aktiv zu gestalten.
Albtraumwelten: https://www.inartes.ch/projekte/
Die entstandenen Werke werden vom 17. März bis 7. April 2026 in Schaufenstern der Steinberggasse in Winterthur ausgestellt. Kurze poetische Texte begleiten die Installationen und führen Passanten näher an die Gedankenwelt der Jugendlichen heran. Die Vernissage findet am 17. März von 18.45 bis 20.45 Uhr in der Stadtbibliothek Winterthur statt, mit Apéro und einem geführten Rundgang.