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Kondensmilch – Wer kennt sie noch?

Kondensmilch weckt Kindheitserinnerungen – sei es im Birchermüesli oder in anderen alten Rezepten. Beim Plaudern darüber entstand in unserer Redaktion eine lebhafte Diskussion über die süsse Milch und ihre vielseitige Verwendung.

Kondensmilch – Wer kennt sie noch?
Ein Stück Nostalgie aus der Küche: Kondensmilch – früher unverzichtbar im Vorratsschrank und oft verwendet im Birchermüesli, Desserts oder Kuchen. Bild: Swissmilk / Keystone/Photopress-Archiv, Walter Studer & Keystone, AKG-Images
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Beim Gespräch über Müesli und Birchermüesli an unserer Kafibar fiel mir plötzlich die Kondensmilch ein – sofort kamen Kindheitserinnerungen hoch. Meine Mutter gab sie damals immer ins Birchermüesli, was es für mich besonders lecker machte. Dieses Rezept habe ich später von ihr übernommen. Und ja, meine Mutter schlürfte die Milch sogar direkt aus der Tube, was mich heute noch schmunzeln lässt.

Früher war Kondensmilch ein echter Schatz im Vorratsschrank – besonders in Zeiten, in denen Konservierung überlebenswichtig war. Kondensmilch gibt es bis heute sowohl in der klassischen Dose als auch in handlichen Tuben, perfekt fürs Müesli oder den spontanen Süssekick zwischendurch.

Mehr als eine eiserne Reserve

Wie Swissmilk auf ihrer Webseite schreibt, gehört Kondensmilch zu den sogenannten Dauermilchwaren, die heute noch rund 9% der jährlichen Milchproduktion ausmachen. Es gibt sie süss oder ungesüsst, aus der Büchse oder direkt aus der Tube. Doch Kondensmilch war und ist mehr als nur ein Vorrat. Sie spielt in zahlreichen Rezepten bis heute eine Hauptrolle, von Birchermüesli über Kuchen bis zu Desserts und Saucen.

Zmorge-Klassiker

Haferflocken, geraffelte Äpfel, geriebene Nüsse, Zitronensaft und gezuckerte Kondensmilch – das ist das Originalrezept für Maximilian Bircher-Benners Birchermüesli. Gemäss Swissmilk verwendete der Müesli-Pionier Milch aus der Konserve, weil frische Milch damals schlecht haltbar war und seine Patientinnen und Patienten auf nahrhafte Mahlzeiten angewiesen waren.

Heute wird Birchermüesli auf Frühstücksbuffets oft ohne Kondensmilch serviert – zugunsten von Joghurt, Rahm oder Früchten. Die Kalorienbombe aus der Tube geriet in Vergessenheit.

Industrielle Pionierin

Übrigens: Kondensmilch ist eine echte Schweizerin! 1866 eröffnete die Anglo-Swiss Condensed Milk Company in Cham ZG gemäss Swissmilk die erste Kondensmilchfabrik Europas. Anfang des 20. Jahrhunderts fusionierte das Unternehmen mit Nestlé und trug damit entscheidend zur Entwicklung der Schweizer Milchindustrie bei. Bis heute ist «Chamer Milch» ein Begriff.

International wurde Kondensmilch schnell zum Küchenstar und half zugleich als Krisenmilch: Sie diente Soldaten im amerikanischen Sezessionskrieg als energiereiche Notration und später auch der Zivilbevölkerung als haltbares Lebensmittel. Die industrielle Konservierungstechnik geht auf Nicolas Appert zurück, die grosstechnische Herstellung auf Gail Borden, der 1856 das Patent für sein Verfahren erhielt.

Swissmilk betont zudem: Kondensmilch war Treiberin für Hygiene- und Produktionsstandards in der Milchwirtschaft. George Page, Gründer der Fabrik in Cham, unterstützte Bauern bei moderner Viehhaltung und setzte Arbeitsbedingungen um, die für damalige Verhältnisse fast revolutionär waren.

In der Nestléfabrik in Payerne, um 1900. Bild: Historisches Lexikon der Schweiz HLS / Victor Attinger

Kondensmilch-Debatte in der Redaktion

Neugierig fragte ich meine Kolleginnen in der Redaktion, ob sie Kondensmilch im Birchermüesli oder in anderen Rezepten auch kennen. Prompt entbrannte eine lebhafte Diskussion. Geschichten aus der eigenen Kindheit wurden erzählt, Tipps weitergegeben und alte Familienrezepte hervorgekramt. Der Austausch zeigte, dass Kondensmilch zwar in Vergessenheit geraten ist, aber ein wichtiges Stück Nostalgie ist.

Alte Rezepte neu entdecken

Neben dem klassischen Birchermüesli stiessen wir bei der Recherche auf zahlreiche weitere Rezepte mit Kondensmilch: von Cremes und Desserts über Kuchen bis zu süssen Saucen und sogar Glacé.

Die Vielseitigkeit der süssen Milch überrascht und macht sie zu einem praktischen und geschmackvollen Vorratsschatz, den man wieder vermehrt einsetzen könnte und durchaus auch in der modernen Küche ihren Platz haben kann. Es macht Lust auf das Wiederentdecken alter Rezepte und Ausprobieren von neuen. Ein paar Rezeptideen haben wir für dich zusammengestellt.

Wir wünschen viel Freude beim Neu- oder Wiederentdecken – und beim Schwelgen in alten Erinnerungen.

Birchermüesli

Vor- und zubereiten: 50 Minuten

2 dl Milch
40 g Haferflocken
400 g Joghurt nature
2 dl Halbrahm
4 EL gezuckerte Kondensmilch
2 EL Zitronensaft
4 Äpfel
1 Banane
200 g gemischte Beeren (z. B. Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren)
6 EL gemahlene Haselnüsse

So wird's gemacht:
Die Haselnüsse grob hacken. Haferflocken in eine Schüssel geben und mit Milch  übergiessen. Zugedeckt mindestens 30 Minuten quellen lassen. Anschliessend Joghurt unterrühren. Kondensmilch sowie Zitronensaft beigeben und gut mischen.

Die Äpfel mit der Schale in kleine Stücke schneiden und direkt unter die Mischung heben. Die Banane in Scheiben schneiden, zusammen mit den Beeren beigeben und alles sorgfältig vermengen. Den Rahm halbsteif schlagen und unter das Birchermüesli ziehen. Zum Schluss die gemahlenen Nüsse untermischen. Birchermüesli mit den gehackten Haselnüssen bestreuen.

Quelle: Gabriela Gasser, Redaktorin Zürioberland24

Dulce de Leche – Bananen-Flan

Vor- und zubereiten: ca. 100 Minuten  

5 Eier
2 Bananen
397 g Dulce de leche
387 g Kondensmilch
150 g Zucker für das Karamell

So wird's gemacht:
Den Zucker in einen Topf geben und erhitzen, bis er karamellisiert ist. Das Karamell in eine Auflaufform von etwa 20 cm geben und abkühlen lassen. Den Backofen auf 180 Grad vorheizen.

Die Eier, Bananen, Dulce de leche und Kondensmilch in einem Standmixer gut vermischen und die Mischung auf das Karamell giessen.

Eine zweite Auflaufform zu zwei Dritteln mit Wasser füllen und die Auflaufform mit der Mischung hineinstellen. Im Wasserbad im Ofen für etwa 1 Stunde und 10 Minuten backen. Die Backzeit kann leicht variieren. Nach dem Backen abkühlen lassen und dann in den Kühlschrank stellen. Nach mindestens 8 Stunden das Dessert auf einen Teller stürzen und servieren.

Quelle: Cookpad

Brigadeiros (Truffes aus Kondensmilch)

Vor- und zubereiten: 60 Minuten  

Papierkapseln
300 g gezuckerte Kondensmilch
1 EL Butter
2–3 EL Kakaopulver
100 g Schokoladenstreusel

So wird's gemacht:
Kondensmilch und Butter in einer Pfanne bei starker Hitze erhitzen, bis sich Blasen bilden. Kakao dazugeben, gut darunter rühren. Bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren ca. 5 Minuten köcheln, bis die Masse fester und formbar wird (nach dem Kühlen wird die Masse noch fester).

Masse in eine Schüssel geben, auskühlen lassen. Zugedeckt ca. 30 Minuten kühlstellen.

Mit einem Teelöffel etwas Masse abstechen, mit den Handflächen zu einer Kugel formen. Dabei beide Hände kreisförmig bewegen, sodass eine gleichmässig runde Kugel entsteht. Kugel in Schokoladenstreuseln drehen, bis sie rundum mit Streuseln bedeckt ist. Mit restlicher Masse gleich verfahren.

Fertige Truffes nach Belieben in Papierkapseln setzen. Kühl stellen.

Quelle: swissmilk

Weiterer Informationen und Quellen: www.swissmilk.ch | Historisches Lexikon der Schweiz | Wikipedia

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Original auf Aarau24 öffnen