Der Stadtrat von Aarau soll prüfen, ob und in welcher Form sich die Stadt dem von der Stadt Zürich betriebenen Meldetool «Zürich schaut hin» anschliessen kann. Dies fordert ein im Februar 2026 eingereichtes Postulat aus dem Einwohnerrat. Verlangt wird eine Machbarkeitsprüfung, welche Nutzen, Kosten sowie die Einbettung in bestehende städtische Strukturen und Angebote aufzeigt.
Niederschwellige Meldemöglichkeit im Fokus
Die Urheberinnen des Postulats begründen ihren Vorstoss damit, dass sexuelle, sexistische sowie homo- und transfeindliche Belästigungen und diskriminierende Übergriffe auch in mittelgrossen Städten wie Aarau ein reales Thema darstellen. Betroffene würden Vorfälle jedoch häufig nicht bei der Polizei oder offiziellen Stellen melden. Als Gründe werden Scham, Unsicherheit oder die Einschätzung genannt, der Vorfall sei «nicht gravierend genug». Dadurch blieben Ausmass und Orte solcher Vorfälle oft unbekannt.
Vorbild aus Zürich
Das Meldetool «Zürich schaut hin» bietet eine anonyme und niederschwellige Möglichkeit, Belästigungen und Diskriminierungen online zu melden. Gleichzeitig erhalten Betroffene Informationen sowie Hinweise auf Unterstützungsangebote. Das Instrument wird in Zürich regelmässig genutzt, zudem wird eine Öffnung für weitere Gemeinden geprüft. Für Aarau würde dies die Möglichkeit bedeuten, auf eine bestehende und erprobte Lösung zurückzugreifen, anstatt ein eigenes System neu zu entwickeln.
Vorteile für Aarau
Ein möglicher Beitritt oder eine Anbindung an das Zürcher Tool könnte für Aarau mehrere Vorteile bringen. Genannt werden eine niederschwellige Unterstützung und Orientierung für Betroffene, bessere Datengrundlagen zu Problemlagen und Brennpunkten im öffentlichen Raum sowie eine Stärkung der Präventions- und Sensibilisierungsarbeit. Zudem würde ein solches Angebot ein sichtbares Zeichen setzen, dass die Stadt Belästigung und Diskriminierung ernst nimmt.
Noch keine Entscheidung zur Einführung
Das Postulat verlangt keine sofortige Einführung des Meldetools. Ziel ist es vielmehr, dem Stadtrat eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu liefern, ob und wie ein solches Angebot in Aarau sinnvoll umgesetzt werden könnte. Eingereicht wurde der Vorstoss von Vertreterinnen aus mehreren Parteien des Einwohnerrats.
Breite politische Abstützung
Eingereicht wurde das Postulat von Benita Leitner von Pro Aarau, Hannah Wey von den Grünen, Johanna Dietiker von der EVP/EW sowie Leona Klopfenstein von der SP.