«Ich wollte schon als Jugendlicher zum Radio oder Fernsehen. Der Berufsberater versuchte, mir das auszureden. Dennoch träumte ich von einer Zukunft als Kameramann oder Tontechniker – oder Astronaut», sagt der 54-jährige Schaffhauser Korrespondent von Radio SRF und Moderator des Regionaljournals Zürich Schaffhausen, Roger Steinemann, zu Beginn des Austauschs mit dem «Bock». Seine journalistische Karriere begann einst beim Radio Munot. Seit vielen Jahren liegt aber sein Reich an der Neustadt 69, einem Aussenposten des SRF. Und der Weg hinauf in dessen Räumlichkeiten hat es in sich. Die Treppen im alten Gebäude sind steil und die Decken tief. «Achtung Kopf», ruft Roger Steinemann. Während er daran gewöhnt ist, kann es für Gäste eine kleine Herausforderung sein. Und diese hat es immer wieder. So besuchten ihn bereits Regierungs- und Bundesräte. Meistens ist er aber alleine im Büro. Wie in einem Bienenstock geht es hauptsächlich nur am Stars in Town zu und her – dann, wenn das Radio gleich die halbe Belegschaft bei ihm unterbringt. Steinemann macht eine kleine Tour durch die Räumlichkeiten und sein Korrespondentenstudio. Dabei hat er allerlei Spannendes zu erzählen.
NASA-Karriere endete an der «Chilbi»
Ob nun Kameramann, Tontechniker oder doch Astronaut: Eine technische Grundausbildung als Elektromechaniker sei für alle drei Optionen auf der Hand gelegen. «Da mir allerdings schon an der Chilbi schlecht wurde, platzte der Traum einer Nasa-Karriere rasch», sagt Steinemann, wohnhaft in der Stadt Schaffhausen, schmunzelnd. Dafür habe er früh einen Fuss in die elektronischen Medien setzen dürfen und begann bereits in seinem letzten Lehrjahr, 1990, bei Radio Munot den «Nachtfalter» zu moderieren. Diese Tätigkeit habe ihm noch mehr Spass bereitet als nur die Regler zu bedienen. «Und mit Claude Nicollier konnte ich dann wenigstens einen Astronauten interviewen.»
1997 wechselte er für fünf Jahre zu den Schaffhauser Nachrichten. Die Arbeit veränderte sich, erklärt Steinemann: «Zeitungstexte dürfen etwas komplexer und dichter aufgebaut sein als beim Radio oder Fernsehen. Wobei ich auch bei der Zeitung kein Freund von langen Schachtelsätzen war und bin.» Hinzu kommen bei der Zeitung das Fotografieren und Layouten. Beim Radio müsse dafür in Bildern gedacht und diese letzten Endes in Worte und Töne umgewandelt werden.
Nochmals eine andere Liga
«Seit der Kindheit kannte ich das DRS-Morgenjournal und die Nachrichten um halb eins. Dass ich diese nationalen Sendungen plötzlich mitverantworte und als Nachrichtensprecher präsentiere, hatte für mich eine enorme Bedeutung», hält der Schaffhauser Korrespondent des Radio SRF fest. Dazumal habe eine Schulung zur Erarbeitung einer offiziellen Sprechlizenz am Nachrichten-Mikrofon noch dazugehört.
Schon bald einmal war er ebenfalls als Produzent für die stündlichen und halbstündlichen News verantwortlich gewesen: «Da diskutierst du plötzlich mit Auslandskorrespondentinnen, Bundeshaus- und Fachredaktoren über die Welt und musst all die Infos rasch und präzise so aufbereiten, damit die Hörerinnen und Hörer sie auf Anhieb verstehen.» Er habe sich aber gut vorbereitet gefühlt, da er es bereits gewohnt war, schnell und auf den Punkt zu arbeiten. Die Zeiten, als bei DRS primär Studierte arbeiteten und Lokalradio-Leute belächelt wurden, seien zum Glück schon damals vorbei gewesen.
Erlebnisse, die weiter nachhallen
Als Regional-Korrespondent bereite er die relevanten Schaffhauser Themen primär fürs Radio auf. Diese kommen sowohl beim Regionaljournal als auch bei nationalen Programmen zum Zug. «Intern werde ich zudem oft um Einschätzungen und Infos gebeten, wie etwa vor Wahlen oder Abstimmungen.» TV-Korrespondenten würden sich bei Bedarf ebenfalls mit ihm absprechen oder ihn um Kontakte und Tipps bitten. Da die Korrespondentenstelle ein 60-Prozent-Pensum umfasst, produziert und moderiert er nebenbei das Regionaljournal in Zürich. Hat er Frühschicht, dann ist er bereits um 4.30 Uhr in der Zürcher Redaktion.
«Es fällt mir schwer, aus über 30 Jahren Highlights herauszupicken», findet Roger Steinemann, mit einer journalistischen Ausbildung am Medien-Ausbildungs-Zentrum (MAZ) Luzern. Bei Radio Munot ist dazumal noch viel experimentiert worden, erinnert er sich zurück: «Einmal kommentierte ich einen Tandemflug an einem Gleitschirm hängend aus der Luft.» Bei SRF habe er Berühmtheiten vor dem Mikrofon, wie John Travolta am Zürich Film Festival. Dennoch empfindet er die Begegnungen mit Leuten, die sonst nicht im Rampenlicht stehen, am beeindruckendsten. Dabei denke er an die engagierten Pflegerinnen im Sterbehospiz oder an Menschen, die trotz einer Behinderung mit grösster Lebensfreude ihren Alltag meistern. «Das sind Menschen und Geschichten, die mich berühren.»
Besonders liebe er seinen Beruf, weil er voller Überraschungen stecke und er nie genau wisse, was kommt. Deshalb werde bei SRF maximal eine Woche vorausgeplant. Ansonsten müsse tagesaktuell reagiert und eine Idee innert Stunden zu einem Beitrag für Radio, TV oder Online geformt werden. «Es kann vorkommen, dass bereits alles im Kasten ist, und wir aufgrund eines aktuellen Anlasses, kurz vor einer Sendung wieder umstellen müssen», berichtet der Munotstädter.
Kanton hat weiterhin Standortvorteil
Schaffhausen stelle zwar nur einen kleinen Teil der Schweizer Bevölkerung, habe bei SRF aber weiterhin ein eigenes Redaktionsbüro und Studio. Diesen Standortvorteil würden bei weitem nicht alle Kantone innehaben. «Regionale Berichterstattung gehört zum Service Public. Als innovativer Grenzkanton mit eigener Dynamik ist Schaffhausen zudem auch fürs nationale Programm von SRF ein besonders interessantes und relevantes Berichtsgebiet», stellt Steinemann klar.
Meistens bringe er beim Meeting per Videokonferenz Themen ins Gespräch, welche er auch als interessant für jemanden in einer Zürcher Gemeinde erachte. 100 Jahre Cinema Schwanen, in Stein am Rhein, sei aber von jemand anderem ins Rennen geschickt worden.
SRF ist eng mit der Schweiz verbunden
Auf der Tour zeigt Roger Steinemann, welche schweren Apparaturen, wie das Nagra-Tonbandgerät, noch herumgeschleppt werden mussten und wie aufwändig das wortwörtliche Schneiden von Tonmaterial war. Bis heute hat sich einiges verändert und professionalisiert. Auch das SRF muss sich den Bedürfnissen des Marktes anpassen. Der Schaffhauser Korrespondent kann sich aber unser Land nicht ohne es vorstellen: «SRF trägt zum Zusammenhalt der Schweiz bei.» Wo sonst würde man relevante Infos aus der französischen oder italienischen Schweiz aufbereitet erhalten. Die Halbierungsinitiative zeigt auf, dass sich nicht alle für ein allumfassendes Schweizer Fernsehen aussprechen. Was würde eine Annahme bedeuten? «Zuerst ist es einmal unser Auftrag, urteilsfrei darüber zu berichten. Die Umsetzung würde vermutlich bedeuten, dass Regionalredaktionen konsolidiert werden», sagt Steinemann. Die bereits begonnene Restrukturierung habe in den Regionalredaktionen eine Stelle gefordert. Zum Schluss hat Roger Steinemann einen Wunsch, wenn auch einen frommen: «Wieder mehr Medien- und damit auch Meinungsvielfalt. Die aktuelle Tendenz geht in eine andere Richtung und schwächt die demokratische Kultur im Land.»