Das Glarnerland ist der Nabel der Schweiz. Von hier kommt die erfolgreichste Skirennfahrerin der helvetischen Geschichte (Vreni Schneider), hier gibt es den besten Ziger, und hier geht an diesem Wochenende ein grandioses Schwingfest über die Bühne.
56'500 Zuschauer in der randvollen Arena, eine Stimmung, als wäre 1. August, Alpenchilbi und Oktoberfest zusammen – und Schwingsport auf höchster Stufe.
Faustdicke Überraschung
Und dieser führt am ersten Tag zu einigen faustdicken Überraschungen. Nach drei Gängen stehen nur die Ostschweizer Werner Schlegel und Armon Orlik (Jona), die Aussenseiter Fritz Ramseier und Marius Frank sowie König Joel Wicki mit drei Siegen da.
Wie ein Schlussgang
Und dann macht das Einteilungsgericht Nägel mit Köpfen – und stellt Orlik und Wicki gegeneinander auf. Es ist sozusagen der Schlussgang des ersten Wettkampftages. Und die beiden schenken sich nichts. Doch je länger der Gang dauert, desto klarer wird: ein Gestellter lässt beiden alle Optionen offen. So endet das Duell ohne Sieger.
Staudenmann geschlagen
Anders kurz zuvor der Kampf zwischen Kronfavorit Fabian Staudenmann (Bern) und Schlegel: Staudenmann, der im ersten Gang mit Samuel Giger gestellt hat, setzt alles auf eine Karte – und läuft in einen verheerenden Konter. Schlegel jubelt in letzter Sekunde.
Mehr Glück hatte Giger. Er rettet sich gegen den Berner Michael Moser in extremis. Die Millimeterentscheidung lässt dem Thurgauer zumindest theoretische Chancen auf die Schlussgangteilnahme.
Königlicher Ramseier
Einen fast schon königlichen Lauf hat ein Mann, den niemand auf der Rechnung hatte: Fritz Ramseier. Der 31-jährige Landwirt aus dem Emmental ist zwar einen Kopf kleiner (175 cm) als die meisten Konkurrenten, doch mit Damian Ott, Sven Schurtenberger und Joel Strebel legt er gleich drei Eidgenossen ins Sägemehl und steht nach Tag 1 mit vier Siege an der Ranglistenspitze.
Damit ist die Ausgangslage vor dem zweiten Tag eindeutig. Mit Schlegel, Joel Wicki und Armon Orlik sind drei Favoriten auf Schlussgangkurs. Und mit Ramseier hat ein grosser Aussenseiter alle Trümpfe in der Hand. Der Emmentaler wird am Sonntagmorgen aber kaum mit Geschenken des Einteilungsgremium rechnen – und erneute einen grossen Brocken vor sich haben. Doch es sind genau jene Komponenten, die zu einer echten eidgenössischen Heldengeschichte gehören.