Nach 26 Minuten und 30 Sekunden verlor der «Böögg» seinen Kopf. Das «Sächsilüüte 2025» lockte bei schönstem Wetter Tausende in die Limmatstadt. Gastkanton war Zug. Rund 120 Ehrengäste begleiteten die Zünfter, darunter die vier Bundesräte Martin Pfister, Albert Rösti, Ignazio Cassis und Guy Parmelin.
Wer nicht «Schööns Sächsilüüte» sagt, hat verloren
«Schööns Sächsilüüte» lautet die Begrüssungsformel für Eingeweihte. Und all die anderen lernen den aufmunternden Zuruf schnell. Der Traditionsanlass ist ein Muss für alle Urzürcher und ein Freudenfest für alle Zugereisten. Manch honoriger Gast aus dem kleinen, aber reichen Kanton Zug staunte, was das grosse und vielfältige Zürich am Fest der Feste zu bieten hatte. Ein mittelmässiger, aber dennoch wunderbarer Sommer steht nun aller Voraussicht nach bevor.
Dem von Luki Maier gebauten Schneemann «lupfte es den Deckel» nach 26 Minuten und 30 Sekunden. Zurück aus seinem Appenzeller Exil in Heiden nun wieder an seinem angestammten Platz vor dem Opernhaus. Im Vergleich zu Heiden sei in Zürich mindestens das Wetter heuer besser, meinte Ständerat Andrea Caroni diplomatisch. Ansonsten könnte man, wenn es nach ihm gehen würde, den Brauch gerne auch dauerhaft nach Appenzell Ausserhoden exportieren.
Marschmusik, Würste und beste Plätze
Eine der besten Aussichten auf den brennenden Böögg hatte man aus dem Restaurant «Collana» der Commercio–Gruppe, dessen Chef Nicolas von Graffenried bei der Zunft zur Zimmerleuten in der Vorsteherschaft ist. Sein persönlicher Gast war Schauspieler Stefan Gubser.
Die rund 3'500 Zünfter, 800 Musiker in 30 Korps und etwa 1000 Kinder vergnügten sich bei Getränken, Würsten und dem vielfach intonierten «Sechseläutenmarsch» in jeder Klangfarbe.
Ebenfalls mit dabei am Umzug waren rund 500 Pferde, 400 davon als Reitpferde, die restlichen rund 100 als Wagenpferde. Unter den Ehrengästen sah man Armeechef Thomas Süssli: «Als Züribub, aufgewachsen in Küsnacht und später wohnhaft im Kreis 6 liebe ich natürlich das Sächsilüüte.»
Neue Schuhe, alte Hasen und viel Applaus
Ständerätin Esther Friedli kam in der Toggenburger Tracht: «Ich bin das erste Mal dabei und bin ganz beeindruckt.» Ihr Mann Toni Brunner lief ebenfalls bei der Zunft Riesbach mit: «Aber eher inkognito. Ich bin nirgends als Ehrengast aufgeführt und nur als Aufpasser und Beobachter dabei», scherzte er. Auch Zoodirektor Severin Dressen genoss den grossen Auftritt und freute sich an den vielen Blumen: «Es ist ein grosses Privileg, als Ehrengast mitlaufen zu dürfen.» Nationalrätin Regine Sauter vollzog einen Schuhwechsel: «Ich habe mehrere Paar Schuhe dabei. Für den Marsch durch die Stadt Sneakers, nachher auf der Stube dann die Pumps.» Sauter war zum dritten Mal dabei und «total happy».
Lässiger Auftritt trotz Promi-Alarm
Für den Zuger Finanzdirektor Heinz Tännler war es das fünfte Sechseläuten: «Ich bin mittlerweile routiniert». Bei der «Zunft St. Niklaus» war Komiker Marco Rima eingeladen und der Routinier in Sachen Unterhaltung meinte mit Understatement: «Während meiner Rede sind alle sitzen geblieben, niemand lief weg. Da bin ich natürlich froh darüber.»